Presse: MAI 2002 - www.magister-rother.de

BERGFOLK - Pilgerer

Nördlich des Harzes, vom Lauf des Flässchens Oker gen Osten dehnt sich bis an die im Norden begrenzende sumpfige Niederung des "Großen Bruchs" eine abwechslungsreiche, sanft bewegte Landschaft voller sagenumwobener historischer und mystischer Stätten wie Quedlinburg, der Burgruine Regenstein, der Roßtrappe bei Thale oder dem einst so bedeutenden Bischofssitz Halberstadt.

Dies ist die Heimat der Mittelalter-Folk-Band "Bergfolk", einem Ensemble mit siebzehnjähriger, stolzer Tradition, das in der gegenwärtigen Besetzung seit dem Jahre 1996 existiert. Das Bergfolk legt Wert aber nicht allein auf seine harzerische Herkunft, sozusagen das mittelalterliche Element im Klang der Musik, sondern gleichermaßen eben auch auf den Folk zumal irischer Provenienz. Tatsächlich existiert auch eine reine Folk-CD von Bergfolk, den Mittelalterfreund aber wird vor Allem das vorliegende Werk "Pilgerer" begeistern, dies allerdings ohne alle Abstriche, denn was die Musiker hier geschaffen haben, besitzt einem tiefen Atem, eine melancholische, sehr alte Stimmung und eine Seele, die wir in der mittelalterlichen und Mittelalter-inspirierten Musik viel zu oft vergeblich suchen.

Eine weise Fröhlichkeit und Trauer liegt über dieser Musik, eine mäze und Beherrschtheit im ganz mittelalterlichen Sinne, welche aber auch gerade wieder den keltischen Ländern eigen ist und die Eines immer auch in seinem Gegensatz zu finden vermag.

Nur ein Teil der Kompositionen auf "Pilgerer" ist historischen Ursprungs, doch das tut der Authentizität der übrigen Bergfolk-Stücke keinen Abbruch. Der Auswahl des Repertoires vom klanglich durchaus häfisch gefärbten Titelstück bis zum Gassenhauer "Gute Nacht, auf Wiedersehn Marie" ist nichtsdestoweniger beachtlich. Einen kleinen Geniestreich stellt sicherlich die Kopplung des von so vielen Marktformationen bekannten Traubentritts mit der Eigenkomposition Bacchanal dar, die dem scheinbar Vertrauten unversehens eine ganz ungewohnte Farbe verleiht, bevor es dann bei felis silvestris, der Hommage an einen Wildkater kauzig-lautmalerisch zugeht.

Mike Oldfield hätte seine reine Freude an dieser CD - und da können wir ihm nur beipflichten.