20 Jahre Bergfolk - "Wir machen keine Kunst, wir spielen aus dem Bauch heraus"

Aus dem Kulturleben in Wernigerode nicht mehr wegzudenken - die Gruppe Bergfolk mit Heiko Schilling, Harald Kruft und Steffen Blauwitz (von links). Hier beim Auftritt zum Rathausfest.(Archivfoto: Matthias Bein)

Bergfolk feiert Geburtstag. Die Party steigt am kommenden Sonnabend im Gasthaus "Zum Salzbergtal", Beginn ist 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. "Wir laden ein zu einer Zeitreise durch 20 Jahre Bergfolk. Das Wiedersehen aller Bandmitglieder und Wegbegleiter wird ein einmaliges Konzert", versichert Gründungsmitglied Heiko Schilling. Aus der Taufe gehoben wurde Bergfolk am 18. März 1985, von Viola Spormann (damals Bendix), Kerstin Zogbaum und Schilling. Nach einem dreiviertel Jahr gesellte sich der Geiger Roland Floß dazu. Ihre deutscher Folkmusik war vor allem in den Urlauberheimen der Gewerkschaft gefragt. Traditionelle mittelalterliche Klänge, ihre Lieder erzählen Alltagsgeschichten. Das ist Bergfolk. Die Wernigeröder Band feiert am kommenden Sonnabend ihr 20-jähriges Bestehen. Grund genug für Heiko Schilling, Harald Kruft und Steffen Blauwitz, die Fans zu einem einmaligen Konzerterlebnis einzuladen - Bergfolks Zeitreise. Wernigerode.

Ein ganz großes Jubiläum ist es nicht, aber ein besonderes. Bergfolk besteht seit 20 Jahren, als Folkmusikband eine beachtliche Leistung. Aus Wernigerode ist sie nicht wegzudenken. Was wäre das Rathausfest ohne die engagierten Hobbymusiker Heiko Schilling (40, Fliesenleger), Harald Kruft (46, Hausund Hofwart bei der Kreisverwaltung) und Steffen Blauwitz (42, Kriminalbeamter). Das Trio steht für die Qualität des mittelalterlichen Treibens auf dem Oberpfarrkirchhof und gefällt dem Publikum mit seiner bodenständigen Musik. "Wir machen keine Kunst, wir spielen ehrlich aus dem Bauch heraus", nennt Schilling bescheiden das Erfolgsrezept. Alltagsgeschichten, gemixt mit satirischen Texten, trifft ihre Musik den Nerv der Leute. 1988 die Umformation in Bergfolks Liedtheater. Floß ging eigene Wege, das Stammtrio verstärkten Rainer Hochmuth und Norbert Duwe, "der einzige echte Profimusiker unter uns". Zu dieser Zeit war auch Harald Kruft schon bei Bergfolk - als Lichttechniker. Ideengeber des sehr zeitkritischen "Hercynia" -Programms (Geschichte und Geschichten eines Landstrichs) war der Magdeburger Puppentheaterintendant Thomas Riedel. Im gleichen Jahr erhielt Bergfolks Liedtheater von der Konzert- und Gastspieldirektion die höchste Lizenz für eine Amateurgruppe. Kruft rückte seine Leute längst nicht nur ins rechte Licht, er spielte im Zugabenteil auf der Bühne mit. Bis Anfang 1990 lief alles sehr erfolgreich. Plötzlich war hier Kultur nicht mehr gefragt, "die Leute reisten lieber", erinnert sich Schilling. Das Liedtheater löste sich auf, Schilling, Kruft und Hochmuth spielten wieder als Bergfolk. Ab 1992 füllte sich der Terminkalender, darunter ' 93 auch der erste Auslandsauftritt in Spanien. Ausblick: Folkband auch rockiger Zu diesem Zeitpunkt schied KiK-Kulturmanager Hochmuth berufsbedingt aus. Ein halbes Jahr tourte die Band zu zweit, bevor im September Steffen Blauwitz hinzu kam. "Mein erster Auftritt mit Bergfolk war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert sich Blauwitz an das Altstadtfest in Halberstadt im Sommer vor neuen Jahren. So kalt kann das nasse Element für ihn nicht gewesen sein. Das Trio spielt immer noch erfolgreich zusammen. Die Drei selbst sprechen von einer ungewöhnlich guten Beziehung. Bester Beweis dafür sei das Gastspiel in Japan gewesen. In Obihio auf der Insel Hokaido musizierten sie dreieinhalb Wochen lang in einem Freizeitzentrum. "Und täglich mit dem gleichen Spaß", berichtet Kruft vom "Arbeitsurlaub" im April 2000. Und was passiert nach 20 Jahre Bergfolk? "Es erklingen jetzt auch ganz andere Töne", sagt Schilling. Diese werden auf ihrer Party im "Salzbergtal" zu hören sein, wenn "Bergfolk" und "allemann" ihre mittelalterliche Folkmusik mit Rock vermischt.

(Von Regina Urbat)